„−20 % auf alles außer Tiernahrung." „Jetzt kaufen, später zahlen." „Nur dieses Wochenende." Händler überbieten sich seit Jahrzehnten mit denselben Botschaften.
Hand aufs Herz: Wann ist ein Kunde zuletzt stehen geblieben, hat hingeschaut und gedacht: Das habe ich noch nie gesehen?
Rabatte langweilen. Flyer rauschen ins Altpapier. Kunden sind übersättigt. Was heute zählt, sind Kopfdreher-Ideen – Ideen, die Menschen stehen bleiben lassen, die fotografiert und weitererzählt werden.
Warum Aufmerksamkeit knapp geworden ist
Der Handel lebt von Aufmerksamkeit. Und die ist knapper als je zuvor. Kunden sehen täglich Tausende Werbebotschaften und vergessen die meisten sofort.
Wer nur macht, was alle machen, geht in der Masse unter. Wer überrascht, schafft in Sekunden Sichtbarkeit, Sympathie und Gesprächsstoff. Daraus entsteht Bindung.
Vier Beispiele aus anderen Branchen
IKEA – Schlafen im Möbelhaus. IKEA lud Kunden ein, eine Nacht in den Ausstellungsbetten zu verbringen. Über 100.000 Menschen wollten teilnehmen, die Aktion wurde weltweit in den Medien besprochen. Ein Erlebnis, das kein Wettbewerber kopieren konnte.
Edeka – der Hasselhoff-Spot. Edeka drehte einen absurden TV-Spot mit David Hasselhoff, der deutsche Supermärkte besang. So unerwartet, dass er in den sozialen Medien Kultstatus erreichte – Edeka war plötzlich hip.
Globetrotter – Regenwald im Laden. Der Outdoor-Händler baute Testzonen in seine Filialen: künstlichen Regen, Kälte- und Windkammern, kleine Pools zum Testen von Kajaks. Kunden konnten Produkte live ausprobieren – und sprachen darüber.
Nike – Sneaker aus dem Automaten. In New York stellte Nike einen Automaten auf, der keine Cola ausgab, sondern limitierte Sneaker. Bedingung war eine spezielle App. Das Ergebnis: Schlangen, Posts, Schlagzeilen.
Alle vier Aktionen waren unerwartet, wurden zum Gesprächsthema und machten die Marke größer.
Vier eigene Aktionen
Auch wir haben in den letzten Jahren zahlreiche Aktionen entwickelt, die Händler ins Gespräch gebracht haben.
Negativgraffiti für stilwerk Düsseldorf. Mit Schablonen und Dampfstrahlern haben wir den Gehweg auf der Königsallee „gereinigt" – so entstanden Botschaften vor einzelnen Läden, etwa vor dem Nespresso-Store: „George Clooney ist nicht hier. Aber was Schönes für Zuhause finden Sie auch bei stilwerk." Ergebnis: viel Aufmerksamkeit, Lacher auf der Kö und spürbar mehr Frequenz.
Neu Neu Ulm für Euronics. Zur Neueröffnung eines Euronics XXL kündigte eine Teaserkampagne eine fiktive Stadt an: „Neu Neu Ulm – wo alles schöner ist und technologisch perfekt." Mit einem falschen Bürgermeister, Interviews und lokaler Presse wurde die Geschichte groß. Die Auflösung: Neu Neu Ulm war der neue Markt. Ergebnis: die erfolgreichste Euronics-Eröffnung bis dahin.
„Rasen kann so schön sein" für Pflanzen Kölle. Mitten auf der Pendelroute der Porsche-Mitarbeiter in Stuttgart hing über der Brücke ein Plakat: „Rasen kann so schön sein." Eine simple, pointierte Botschaft – am genau richtigen Ort. Ergebnis: hohe Sichtbarkeit, Resonanz bis in die Presse.
Flipper für Wrangler. Um die Verweildauer am Point of Sale zu verlängern, stellten wir einen echten Flipper-Automaten im Wrangler-Design auf. Vor allem Kinder und Jugendliche blieben länger – und damit auch die Eltern. Wer den Highscore knackte, bekam eine Wrangler-Jeans. Ergebnis: mehr Verweildauer, mehr Interaktion, mehr Verkäufe.
Was das für den Möbelhandel heißt
Auch Möbel- und Küchenhändler können Kopfdreher-Ideen entwickeln. Es geht nicht um große Budgets, sondern um den Mut, etwas Unerwartetes zu bieten.
Nur wer Köpfe dreht, gewinnt Herzen
Der Möbelhandel braucht weniger Einheitsrabatte und mehr Ideen, die Menschen überraschen. Solche Ideen schaffen Markenbindung, Reichweite und neue Kunden. Wer mutig ist, gewinnt. Wer ängstlich bleibt, verschwindet in der Masse.